Ein solides Aktiendepot muss heute mehr können als nur „kaufen und hoffen“. Volatile Märkte, hohe Bewertungen und geopolitische Risiken verlangen nach einem robusten Ansatz, der laufende Erträge, kontrolliertes Wachstum und Risikomanagement miteinander verbindet.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du ein Qualitätsdepot mit Dividendenaktien aufbaust und es mit einfachen Optionsstrategien sinnvoll ergänzt – ohne unnötiges Risiko und ohne komplizierte Konstrukte.
Warum ein Dividenden-Qualitätsdepot die Basis sein sollte
Dividendenaktien sind kein Relikt vergangener Zeiten. Richtig ausgewählt, bieten sie:
- regelmäßige Cashflows
- geringere Volatilität
- bessere Krisenresistenz
- und langfristig sehr solide Gesamtrenditen
Entscheidend ist nicht die höchste Dividendenrendite, sondern die Kombination aus Qualität, Stabilität und Wachstum. Auch möchte ich keine Aktie haben, die nach dem Kauf konstant fällt. Deswegen werden Aktien nach einem Qualitätsscore ausgesucht, die sich zwar in einem Korrekturmodus befinden, aber der langfristige Aufwärtstrend intakt ist.
Die Kriterien für die Aktienauswahl
Nicht jede Dividendenaktie ist automatisch ein gutes Investment. Für dieses Depot gelten klare Regeln.
1. Marktkapitalisierung mindestens 10 Milliarden Euro
Große Unternehmen haben stabile Geschäftsmodelle, besseren Zugang zu Kapital, mehr Preissetzungsmacht, geringeres Insolvenzrisiko und sind weniger volatil.
2. Dividendenrendite von mindestens 2%
Eine Dividende sollte, nachhaltig gezahlt werden, idealerweise wachsen und quartalsweise ausgezahlt werden. Die Höhe der Dividende ist weniger entscheidend, sondern eher die Stetigkeit. Extrem hohe Renditen sind oft ein Warnsignal. 2–4% sind für Qualitätsaktien meist der Sweet Spot.
3. Überverkauft, aber im Aufwärtstrend
Timing ist nie perfekt – aber man kann es verbessern.
Gesucht werden Aktien, die:
- kurzfristig überverkauft sind (z. B. nach Marktkorrekturen), RSI unter 40
- sich aber übergeordnet in einem Aufwärtstrend befinden, über der 200 Tage Linie
- ein Umkehrsignal in Trendrichtung ausgebildet haben
- fundamental intakt sind
Das erhöht die Chance auf günstige Einstiege, schnellere Erholungen und bessere Risiko-Ertrags-Verhältnisse. Besonders ärgerlich ist es, wenn nach dem Einstieg die Aktie weiter fällt.
4. Niedrige Volatilität statt Zockerei
Dieses Depot ist kein Spielplatz für Hype-Aktien.
Bevorzugt werden Unternehmen aus defensiven oder stabilen Branchen wie:
- Konsumgüter
- Healthcare
- Industrie-Blue-Chips
- Finanzwerte mit solidem Geschäftsmodell
Schrittweiser Einstieg statt All-in
Einer der häufigsten Fehler: alles auf einmal investieren. Besser funktioniert ein strukturierter Einstieg.
🔹 Beispiel für den Depotaufbau
- 90% werden schrittweise investiert, der Einstieg erfolgt bevorzugt bei Marktschwäche
- 10% Cash als Reserve
So reduzierst du das Risiko, direkt zum Hochpunkt zu kaufen – ohne komplett draußen zu bleiben.
Der Options-Booster: Mehr Rendite ohne wilde Risiken
Optionen haben einen schlechten Ruf – meist zu Unrecht.
Einfach eingesetzt, können sie dein Depot stabiler und ertragreicher machen. Wichtig zu wissen:
👉 Optionen sind hier kein Hebel, sondern ein Werkzeug
🟢 Cash-Secured Puts (CSP)
Was ist das?
Du verpflichtest dich, eine Aktie zu einem festgelegten Preis zu kaufen – und kassierst dafür eine Prämie.
Vorteile: Zusatzerträge, günstigerer Einstieg, ideal bei seitwärts oder leicht fallenden Märkten
Perfekt für Aktien, die du ohnehin besitzen willst.
🟢 Covered Calls
Was ist das?
Du verkaufst Kaufoptionen auf Aktien, die du bereits im Depot hast.
Vorteile: zusätzliche Einnahmen, leichte Absicherung nach oben, ideal bei ruhigen Marktphasen
Nur einfache Strategien kommen zum Einsatz. Das Ziel ist eine konstante Zusatzrendite, nicht der schnelle Kick.
Warum diese Kombination so gut funktioniert
Ein Depot aus Dividenden-Qualitätsaktien mit Options-Booster bietet:
✔ laufende Dividenden
✔ zusätzliche Optionsprämien
✔ geringere Drawdowns
✔ mehr Kontrolle in schwierigen Marktphasen
Gerade in seitwärts laufenden oder volatilen Märkten spielt dieser Ansatz seine Stärken aus.
Für wen eignet sich dieses Depot?
Dieses Konzept passt besonders gut für Anleger, die:
- langfristig Vermögen aufbauen wollen
- regelmäßige Erträge schätzen
- Drawdowns begrenzen möchten
- keine Lust auf tägliches Trading haben
- trotzdem mehr Rendite als reines Buy-and-Hold suchen
Fazit: Stabil investieren, smarter verdienen
Ein robustes Aktiendepot entsteht nicht durch Spekulation, sondern durch klare Regeln, Qualität und Disziplin. Bei der Aktienauswahl kann ein Screener wie der von Finviz gute Dienste leisten. Kostenpflichtig, aber mit mehr Filtereinstellungen sind die Aktienscreener von Ezzy und TraderFox. Auch ChatGPT kann verwendet werden. Eine Chartsoftware sollte auch vorhanden sein, um Charts zu visualisieren.
Die Depotgröße spielt eine untergeordnete Rolle. Allerdings kann man Optionen nur in 100er Stückelungen schreiben. Das heißt, ich muss mindestens 100 Stück der Aktie kaufen. Allerdings kann man auch den Liquiditätspuffer von 10% nutzen, um abgesicherte Optionsstrategien zu fahren. Hier ist der Kapitaleinsatz (Margin) deutlich reduziert.
Die Kombination aus dividendenstarken Qualitätsaktien, schrittweisem Einstieg und einfachen Optionsstrategien, kann dir helfen, ruhiger zu investieren und gleichzeitig mehr aus deinem Kapital herauszuholen.
Nicht spektakulär – aber wirkungsvoll.
Anbei ist eine Auswahl an bekannten Dividendenaktien guter Qualität:
Kriterien:
- Marktkapitalisierung ≥ 10 Mrd.
- ≥ 2% Dividendenrendite
- etablierte Geschäftsmodelle
- niedrige bis mittlere Volatilität
- optionsfähig (liquide Optionen!)
🧺 Konsum & Basiskonsum (defensiver Kern)
Procter & Gamble (PG)
- Dividende: ~3,0 %
- Extrem stabil, ideal für CSPs
- Perfekt für ruhige Prämien
Coca-Cola (KO)
- Dividende: ~3,0%
- Klassiker für Covered Calls
- Sehr berechenbares Verhalten
PepsiCo (PEP)
- Dividende: ~3,8%
- Etwas mehr Wachstum als KO
- Sehr gutes Optionsvolumen
💊 Healthcare (Drawdown-Stabilisator)
Johnson & Johnson (JNJ)
- Dividende: ~2,5%
- Niedrige Vola, defensive Cashflows
- Ideal für CSP-Einstiege
AbbVie (ABBV)
- Dividende: ~2,9%
- Höhere Prämien
- Sehr gut für leicht defensive CSPs
🏦 Finanzwerte (Cashflow & Optionsprämien)
JPMorgan Chase (JPM)
- Dividende: ~1,4%
- Hochliquide Optionen
- Sehr gut steuerbar
BlackRock (BLK)
- Dividende: ~2,0%
- Qualitäts-Finanzwert
- Etwas teurer, aber stabiler Trend
🏭 Industrie & Infrastruktur
Union Pacific (UNP)
- Dividende: ~2,3%
- Stabiler Aufwärtstrend
- Gute CSP-Kandidaten bei Rücksetzern
3M (MMM) (Turnaround-Charakter)
- Dividende: ca.1,8% aber nur kleine Positionsgröße
- Optionsprämien attraktiv
🛢️ Energie (Cashflow-Maschinen)
Chevron (CVX)
- Dividende: ~4,6%
- Stark bei Rücksetzern
- Ideal für CSPs nach Ölpreis-Schwäche
Exxon Mobil (XOM)
- Dividende: ~3,4%
- Hohe Free Cashflows
- Gute Balance aus Dividende & Prämie
📡 Telekom (Prämienbringer)
Verizon (VZ)
- Dividende: ~6–7%
- Kaum Wachstum, aber stabile Cashflows
- Sehr gut für CCs und CSPs
Positionslogik für dein Depot
- 10–12 Aktien
- Zielgewicht je Aktie: 6–9%
- Keine Übergewichtung einzelner Sektoren
- Defensive Werte leicht höher gewichten
📈 Realistische Erwartung
- Dividendenrendite Depot: ~2,5–3,5%
- Optionsprämien: +3-5% p. a.
- Ziel: ruhigere Equity Curve, nicht maximale Rendite
Wem reine Dividendenaktien zu langweilig sind und wer mehr Renditepotential nutzen möchte, kann eine gewisse Menge an „Big Techs“ mit einstreuen. Mehr als 30% des 90% Anteils würde ich nicht allokieren. eher weniger. Gute Vertreter sind Apple, Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft. Selbst diese Aktien schütten eine Dividende aus. Diese ist aber kleiner als 1%. Deshalb sind diese Aktien auch eher den Wachstumswerten zuzuordnen.
Diese 5 Aktien haben in den letzten 6 Jahren eine durchschnittliche Rendite p.a. von 23,8% erzielt, natürlich unter deutlich höheren Schwankungen.
👉 Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar, sondern dient der Information und Weiterbildung.